Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

Feuerwehr

 

 

 

 Amtlicher Bericht von Bürgermeister und Rat:

"... daß gestern Anno 1717, Mittwoch den 28., dieses, zwischen 10 und 11 Uhr allhier eine große Feuersbrunst entstanden, wodurch in drei Stunden 90 Häuser und 57 Scheunen in die Asche gelegt worden. Das Feuer hat dergestalt um sich gegriffen, daß hngeachtet vieler Leute aus der Nachbarschaft zu Hülfe gekommen, dennoch keine Rettung gewesen wegen Mangels an Wasser. Gegen 5 Uhr Nachmittags ist (Gott Lob) die Feuersbrunst in so weit getilgt worden. Heute haben die Unterthan des Amtes Wasser zugeführt, womit die Brandstätte in etwas gelöscht worden, womit diese Nacht continuiert (weitergeführt) wird. : Das hiesige Rathaus, Pfarr- und Schulhaus hat den Brand betroffen. Das Elend der armen Brandbeschädigten ist groß, in dem der Wenigste nichts hat retten können wegen der allzugroßen wüthenden Feuersflammen; sonst vermißt man zur Zeit keine Person, welche etwa in der Feuersbrunst umgekommen. In der Stadt stehen noch 10 Häuser samt der Kirche, in der Vorstadt sind die eine Seite nach der Stadt ebenfalls die Häuser in Asche gelegt.
Es ist auch überliefert, daß der Brand von Johann Ludwig Plitts Haus an der Vorstadt“ seinen Ausgang genommen hat. Auch kennen wir noch den Umstand, der der raschen und starken Ausbreitung des Feuers förderlich gewesen ist. Es befanden sich nämlich an jenem Unglückstage viele Einwohner Biedenkopfs auf dem Jacobimarkt im benachbarten Battenberg und standen folglich nicht zugleich als Helfer bei den Löscharbeiten zur Verfügung."

 

Die Mannschaften im Einsatz.

Die vier Spritzenmannschaften mit jeweils etwa 30 Mann (an Spritze Nr. 4 nur 11 Mann) bedienten die Feuerspritzen und es war eine Pflichtfeuerwehr.

Zwei Schlauchleger- und Wassermannschaften zu je etwa 15 Mann waren mit insgesamt 170 Meter Schlauch ausgerüstet. Die Schlauchleger sorgten für ausreichende Wasserzuführung und schützten die Schläuche vor Beschädigungen. Die Wassermannschaften brachten die Feuereimer von den Spritzenhäusern zur Brandstätte und organisierten die Aufstellung der Eimerreihen.
Die 14-köpfige Steig- und Demolierungsmannschaft bestand vorwiegend aus Bauhandwerkern. Sie mussten besonders stark brennende Häuser einreißen, um eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die Steiger unterstützten die anderen Mannschaften, etwa bei der Rettung von Menschen oder Hausrat. Außerdem brachten sie die Schläuche an schwer zugängliche Stellen.
Die aus 16 Leuten bestehende Rettungsmannschaft hatte hauptsächlich den vom Feuer bedrohten Hausrat zu retten.
Die Ordnungs- und Wachmannschaft, der 22 meist ältere Mitglieder angehörten, sicherte die Brandstätte und bewachte den geretteten Hausrat.
 

Feuerwehr-Übungen
Bei verschiedenen kleineren Übungen lernten die Mannschaften ihre jeweiligen Aufgaben kennen. Jedes Jahr im April und im September fanden große Feuerwehr-Übungen statt, um das geordnete Zusammenarbeiten aller Mannschaften einzuüben.
Bis zur Neugründung der freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1924 blieb die Pflichtfeuerwehr in Biedenkopf bestehen.