Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

Museum


Im. Jahre 1908 öffnete die Burg zu Biedenkopf erstmals ihre Türen für Museumsbesucher.
"Seine Entstehung verdankt es dem Betreiben des noch jungen Geschichtsvereins für den Kreis Biedenkopf, vornehmlich aber der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Kaminfegermeisters Carl Pfeil I. zu Biedenkopf, der mit rastlosem Eifer für den Ankauf und die Herbeischaffung der Ausstellungsgegenstände gesorgt und ihre Anordnung in uneigennütziger Weise und mit verständnisvoller Hingabe geleitet hat."

Von den sechs damals zur Verfügung stehenden Räumen waren vier als Ausstellungsräume eingerichtet. Gezeigt wurden eine Tuchmacher-Werkstatt, Männer- und Frauentrachten aus vergangenen Jahrzehnten, eine "Altertumssammlung" und eine "altdeutsche Bauernstube". Auch eine vom Geschichtsverein aufgebaute Bibliothek war in den Räumen der Burg untergebracht.
Eine Auflistung des Museumsbestandes aus dem Jahre 1929 zeigt die Vielfalt der Sammlung:
ein "Velociped (Hochrad) ... Kirchturmuhren ... Reifrock-Krinoline (an der Decke hängend)", eine Petroleum-Hängelampe, alte Gesangbücher, Thermometer, Küchengeschirr und Trachtenstücke, Schlüssel, Beschläge, Haustüren und vieles mehr.
Leider gingen wertvolle Teile der Sammlung zum Beispiel durch Einbrüche in den Jahren 1920 und 1945 verloren. 1937 wurde die Burg Biedenkopf, die sich bis dahin in preußischem Staatsbesitz befand, vom Kreis Biedenkopf für den symbolischen Kaufpreis von 500.- Reichsmark erworben.
"Verwaltung, Erhaltung und Ausgestaltung der kreiseigenen Schloßanlage einschließlich des Heimatmuseums" und die "Förderung kultureller Veranstaltungen auf dem Schloss" - diese Aufgaben übernahm ab 1949 der Schlossverein Biedenkopf e.V. Wegen Einsturzgefahr des Dachstuhles musste das Museum Ende 1988 geschlossen werden. In den darauffolgenden Jahren wurde das Gebäude vom Landkreis Marburg-Biedenkopf denkmalgerecht saniert. Das Museum wurde  neu gestaltet und seit Mai 1993 für Besucher wieder zugänglich gemacht
 
Zu den einzelnen Abteilungen
  • In der Eingangshalle des Erdgeschosses erfährt der Besucher Wissenswertes über die Entwicklung des Verkehrs- und Postwesens. Eine 1886 in Biedenkopf gebaute und bis 1908 zwischen Biedenkopf und Battenberg verkehrende Postkutsche, die auch zum Räderschlitten umgebaut werden konnte, veranschaulicht eindrücklich die schwierigen Transportbedingungen durchs Hinterland.
  • Handdruckspritzen und Löscheimer dokumentieren die Geschichte des Feuerlöschwesens im Biedenkopfer Raum. Die Brandbekämpfung war eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der auch die Bewohner der umliegenden Dörfer herangezogen wurden. Da im Falle eines Brandes meist sämtliche Löscheimer der Umgebung benötigt wurden, mussten sie mit den jeweiligen Ortsnamen gekennzeichnet werden. Brände bildeten früher eine Bedrohung für ganze Ortschaften, so vernichtete etwa der Brand von 1717 die gesamte Stadt Biedenkopf mit Ausnahme von 8 Häusern.
  • Die industrielle Entwicklung der Region, die mit Aufstieg und Niedergang des Hüttenwesens verbunden ist, erlebte im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Im Erdgeschoß ausgestellte Produkte der Eisenindustrie sowie anschauliche Erläuterungen zu Techniken der Erzverarbeitung geben Einblick in die historische Entwicklung der Metallgewinnung- und -verarbeitung.
  • Alle 7 Jahre findet seit 1839 in Biedenkopf das Grenzgangsfest statt, eine 3-tägige, inzwischen sehr populäre Veranstaltung, die sich seit 1693 aus dem notwendigen Abschreiten und Überprüfen der Gemarkungsgrenze entwickelt hat. Bedeutung und Geschichte des Grenzgangs werden durch zahlreiche Ausstellungsstücke illustriert und erläutert. Informationen zur Nutzung und Bedeutung des Waldes für die Stadt und ihre Bürger ergänzen diesen Ausstellungsbereich im Obergeschoss des Palasgebäudes. Hier finden auch wechselnde Sonderausstellungen, Konzerte und Vorträge statt.
  • Im Dachgeschoss ist ein Teil der umfangreichen Trachtensammlung des Museums ausgestellt. Zusammen mit Haushaltsgegenständen und Möbelstücken wird hier die historische Wohn- und Alltagskultur anschaulich dargestellt. Ausserdem kann man sich im Dachgeschoss über verschiedene Textilhandwerke informieren: über den Färber, den Tuchmacher, den Strumpfwirker, den Strumpfstricker, den Hutmacher und den Schuhmacher.
  • Auf der Dachempore haben die Bauhandwerke -Schmied, Schlosser, Seiler, Glaser, Maler, Weissbinder, Maurer, Zimmermann und Schreiner - ihren Platz.
  • In Vorbereitung befinden sich Ausstellungsbereiche zu der Tracht im 20. Jahrhundert sowie zu Handarbeitstechniken.